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Burns in Red C. Dillmann 1998 |
Schlußbemerkung
Robert Burns ist als Dichter, zu dem er unter glücklichen Umständen zu werden die Gelegenheit bekam, aus einer rigide hierarchisierten und undurchlässigen Gesellschaftsordnung ausgebrochen. Damit hat er im 18. Jahrhundert eine ganz andere Funktion übernommen, als vielleicht heute jemand einnimmt, der es "nach oben" geschafft hat. Mit seinen Gedichten ist er zu einer Art informativem "missing link" der sozialwissenschaftlich-historischen Betrachtung unserer Zeit geworden. Neben diesem Aspekt für die gegenwärtige Forschung hat zu seiner Zeit für schlecht unterrichtete Kreise zumindest die Möglichkeit bestanden, sich über die Gesellschaftsschichten zu informieren, die außerhalb der Gesichtskreise damaliger Geschichtsschreibung lagen. Sofern von einer solchen überhaupt gesprochen werden kann.
Ganz abgesehen von der integrativen Kraft, die von Burns' Gedichten auf seine fürsprachelosen Zeitgenossen ausgegangen sein muß, hat Robert Burns die Sympathie der literarisierten schottischen Oberschicht auch aufgrund der Nachvollziehbarkeit des schicksalhaften Zusammenhanges zwischen neuer Wirtschaftsordnung und der zwangsläufigen Benachteiligung des Dritten Standes erhalten. Dessen Einspruch und Anklage haben Burns Gedichte immer wieder formuliert; schweigen wir allerdings von den vertanen Chancen angemessener Reaktion.
Das Leben des Dichters Burns, der eben auch immer noch Bauer war und blieb, stellte ständige Überforderung dar, die er mit der Konstitution bezahlen mußte, die ihm wahrscheinlich auch das Leben verkürzte. Burns darf als Sinnbild eines derjenigen Menschen gelten, die keinerlei Mitsprache bei der Einführung einer enthumanisierten Wirtschaftsweise und der Anbahnung entsprechender sozialer Umbrüche ausüben durften, obwohl ihnen die Zusammenhänge deutlich vor Augen standen und sie somit hätten sprechen können.
Alexander Perrey |