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Die leichte Art des Reisens

 

Ein paar Tage über Ostern sollten es sein, Schottland sollte es sein und es sollte erholsam aber natürlich auch interessant sein. Bisher waren es immer die Highlands und Islands gewesen wenn es Richtung Schottland ging und was lag da näher als einmal die Lowlands etwas näher anzuschauen.

Ich gebe zu, auch bisher immer am liebsten die Fährverbindung Amsterdam-Newcastle genutzt zu haben, so dass er hier nichts neues gab, zumal ich auf dem Weg noch unseren neuen Geschäftspartner, die Carthago ICT in Hengelo in den Niederlanden besuchen konnte und auch Amsterdam ist immer eine Reise wert. Es gibt einfach keine Alternative, wenn man sich in Ruhe auf erholsame Tage vorbereiten möchte als die Schiffe von DFDS. Angenehme und ruhige Kabinen sind eine Selbstverständlichkeit und der Service in Form von freundlichem Personal ist lobenswert.

Dass dieses Personal seine Arbeit gerne macht, war schon am Kai zu sehen, dort stand ein Bus aus Polen quer vor den Verladelinien. Während ich und die anderen Fährengäste darauf warteten an Bord gehen/fahren zu können, füllte sich dieser Bus mit Leuten, die beim Verlassen des Schiffs fröhlich mit ihrer Ablösung, die an der Reling stand kommunizierte – fast ein Hauch südländischer Ausgelassenheit auf beiden Seiten. Aber auch das „einheimische“ Personal ist jederzeit freundlich und bereit den Reisenden behilflich zu sein. So gab es auf der Hinreise ein kleines Problem mit dem WC, das aber innerhalb der sprichwörtlichen 5-Minuten nach dem Bescheidsagen an der Rezeption gelöst war.

Auf hoher See trauert man zwar manchmal den Duty-Free-Zeiten nach, so sind die Preise für Whisky im Bord-Shop doch um einiges ungünstiger als in deutschen Supermärkten, doch in der Bar werden einem immer noch günstig Drinks serviert und dieses Mal war es der Absolut Vodka in seiner „Black Currant“ Variante, der mir von der netten Barkeeperin empfohlen wurde. Schlicht mit Eis und etwas Zitronen-Brause und unter mehrmaligem Auffüllen des Glases brachte der Drink mich dazu fast 2 Stunden an der Bar und mit anregender Konversation mit der Barkeeperin zu verbringen.

Obwohl es später hieß, die See sei spiegelglatt gewesen, hätte ich schwören können, dass gegen Mitternacht als ich auf meinem Weg in die Kabine war, ein ziemlicher Sturm mit den entsprechenden Reaktionen des Schiffs aufgekommen war. Wie dem auch sei, am nächsten Morgen ging es gut ausgeschlafen weiter. Das Schiff war pünktlich um 9 in Newcastle und ich fuhr einfach Richtung Norden los.

Die erste Station war Berwick Upon Tyne, ein nettes Städtchen mit einem kleinen interessanten italienischen Cafe. Dort lernt man, dass Baquettes auch in einem Waffeleisen aufgewärmt werden und in der entsprechenden Form als „original französisch“ serviert werden können. Das stellt allerdings auch keinerlei Problem dar, wenn die Bedienung so nett ist, wie die jungen Damen dort.

So gestärkt ging es weiter Richtung Edinburgh. Kurz vor Edinburgh fiel dem Reisenden ein, dass es diesmal nicht in die Highlands gehen sollte und entsprechend wurde hastig links abgebogen und es waren die Lowlands angesagt. Die dortige Landschaft, speziell im Ettrick Valley spielt einem eine Hochebenen-Landschaft vor, sehr karge Vegetation, ein kleines Flüsschen mit ein wenig Grün an den Ufern und der Rest leicht ansteigende Höhenzüge mit einem bräunlich trockenem Bewuchs.

Die Kargheit der Landschaft, die sehr dünne Besiedlung und die eindringliche Farbgebung, bestehend aus vielen Brauntönen mit einem grün-blauen Strich im Zentrum sind faszinierend. So kam es, dass ich die ganze Landschaft auf einem durchfuhr und am Tagesende in Moffat landete.

Das Städtchen liegt nordwestlich von Charlisle auf dem Weg nach Glasgow und weist im Gegensatz zur durchfahrenen Gegend deutliche Tourismusspuren auf in Form von vielen Pubs, Hotels und mehreren „woolen mill“-Shops. Wer B&B’s bevorzugt ist bei Irene Davis (Summerlea House, Tel. 0044 1683 220476) genau richtig, zwar ist es mit 25 GBP (Single) die Nacht nicht ganz billig, aber dafür sind die Zimmer liebevoll und komplett eingerichtet. Komplett heißt in diesem Fall, dass es z.B. in der Dusche je ein Shower-Gel für die Haare und den Körper gibt, an der Tür hängt sogar eine Dusch-Haube. Das Tee-Geschirr ist mit leckeren Süßigkeiten und Shortbread, das vor Austrocknung in einer kleinen Schatulle aufbewahrt wird, aufgewertet. Ein leckeres Frühstück rundet das Bild ab, es gibt eine Auswahl an (Müller-)Yoghurts, Cerealien, frischer Milch, Orangensaft und einem leckeren „Full Scottish Breakfast“ und eine frische Tageszeitung liegt ebenfalls auf dem Tisch.

Da die Fahrt durch das Ettrick Valley etwas zu schnell von statten ging, wollte ich den folgenden Tag noch einmal dorthin zurückkehren, allerdings mit dem Umweg über Dumfries, Biggar und Peebles. Erstgenanntes ist eine graue Industriestadt und letztgenanntes ein kleines Puppenstädtchen am River Tweed mit vielen Geschäften und einem sehr guten Tourist Office.

Aus dem dort erhaltenen B&B-Guide stach als besonders günstig mit 18 GBP Mrs Bernard aus dem Ettrick Valley (West Deloraine, Tel. 0044 1750 62207) hervor. Dort angerufen, meldete sich eine ältere Stimme, die fragte wo ich mich gerade befände und begann mir den Weg zu schildern. So schnell war ich nicht und die einheimischen Beschreibungen waren mir auch nicht gleich eingängig, so fragte ich ob sie mir nicht die Straßennummern nennen könne. Straßennummern? Nein, die kenne Sie nicht… aber sie erklärte es dann noch einmal ganz langsam und da die Gegend nicht gerade vor Gebäuden überquillt, war ich mir sicher, es auch zu finden, was ich dann auch problemlos tat.

Es entpuppte sich als ein wunderschönes altes Haus innerhalb einer „working farm“. Der Eindruck wurde nur etwas durch eine offenbar neue Einkommensquelle der Farm, die Platzierung von „caravans“ rund um die Farm gemindert. Im Innern des Haus angelangt schien man eine Zeitreise gemacht zu haben. Es hätte kaum verwundert, wenn Queen Victoria aus einer der zahlreichen Türen des Treppenhauses gekommen wäre und entsprechend waren auch die Zimmer eingerichtet, was in diesem Fall auch bedeutete, dass es keine Heizung gab, dafür jedoch (nicht ganz zeitgemäß) eine elektrische Heizdecke. Mrs. Bernard, die perfekt mit ihren ca. 70 Jahren in das Haus passt, ist sehr um das Wohl ihrer Gäste bemüht, bietet jederzeit Tee oder Kaffee an (dafür gibt es kein Teegeschirr in den Zimmern) und auch ihr Frühstück schmeckt so gut, wie es auf einem Bauernhof schmecken sollte.

Ein Wort zwischendurch zu den Fasanen, die einem um Ostern herum massenweise gerade im Ettrick Valley begegnen. Leider z.T. in sehr flacher Form, wenn sie plattgefahren auf der Straße liegen, aber auch wunderschön, wenn sie in der Morgensonne ihre goldenen Federn richtig blitzen lassen. Allerdings sind sie wohl von ihrer eigenen Schönheit so geblendet, dass sie kaum zu Seite gehen, wenn sie auf der Straße sitzen und ein Auto kommt. Zumindest als Tourist sollte man vielleicht doch etwas vorsichtiger in dieser Gegend fahren und darauf eingestellt, dass sie nicht ausweichen, sondern davon ausgehen, dass alle Welt vor ihrer Schönheit zurückweicht.

 

Da für den nächsten Tag noch einmal wolkenloser Himmel angesagt war, wollte ich ans Meer. Die kleinen Photos des Tourist-Guide ließen St.Abbs viel versprechend erscheinen und so fuhr ich dorthin, auch wenn es von der Fahrtenökonomie es natürlich besser gewesen wäre, wenn ich dort am ersten Tag hingeschaut hätte, aber so ist das eben bei ungeplanten Touren. St. Abbs selbst ist schon ein lohnendes Ziel, ein einspurige Strasse führt die Steilküste hinab und unten erwartet einen ein kleiner Parkplatz und 2-3 Häuser zwischen großen Felsen und wellenumtosten riesigen Hafenmauern.

Das Ganze hat etwas vom letzten Außenposten der Zivilisation vor dem ungebändigten Meer. Leider ist es, da es nah an der Hauptstrasse liegt ziemlich überlaufen und auch das B&B wirkt nicht so, als ob man dort „Außenposten-Athmosphäre“ schnuppern könnte. Einer Rückkehr in die zentralen Lowlands stand also nichts im Wege. Auf dem Weg lag mehr oder weniger der Nationalpark Northumberland und animierend wirkte eine kleine „single track road“ (einspurige Straße) mitten durch viel Wald und einem großen See (Kielder Water). Die Straße stellte sich allerdings als sehr gut ausgebaut heraus und der viele Wald war zwar vorhanden, allerdings diente er auch einem sehr „Ferienparadies“ in McDonalds-Manier. Wirklich toll am See-Ufer gelegen befindet sich dort eine Ansammlung aus genormten und einheitlich im Camp-Design (dunkelrot-orange) gestrichenen Holzhütten, Caravan-Parkplätzen und und und… Durch das ganze Gebiet führt eine kleine asphaltierte Straße mit Teppich-Rasen an der Seite und mittels eines Lineal gepflanzten Tannen. Am Eingang gibt es einen riesigen Schilderwald, der als erstes darauf hinweist, dass sich Gäste bitte umgehend in der Zentrale zu melden haben, dann folgen an jeder Kreuzung kleinere Schilderwälder, also Schilderschonungen, die auf Dinge wie „Bike Wash“, „Kids Toilets“ etc. hinweisen und alles immer mit mehr oder weniger direkten Verhaltenshinweisen garniert. Auch wenn ich es nicht gehört habe, aber ich bin mir sicher, dass zu festgelegten Zeiten per Lautsprecheranlage zu animierenden Spielen aufgefordert wird oder an die täglichen 5 Minuten Papieraufsammelei erinnert wird, die alle Urlauber dort täglich zu absolvieren haben.

Man kann sich denken, dass nachdem die Faszination so etwas in GB zu sehen abgeklungen war, ich das Weite suchte und fand. Da es mittlerweile recht spät geworden war, wurde ohne große Sorgfalt eine Hotel B&B in Coldstream ausgewählt, das keine weitere Erwähnung rechtfertigt. Abends war noch Zeit genug einen Blick in den Tourist.Guide zu werfen und ein schöneres Hotel für die letzte Übernachtung zu finden. Es wurde das Border Hotel in Kirk Yetholm (www.gtleisure.co.uk/walks/pw91/pwa162.htm) und des Fahrens müde, hielt ich mich am nächsten Tag nur kurz in Kelso auf.

 

 

Bemerkenswert ist dort direkt neben der Abbey gelegen: Kelso Pottery von Ian Hird, der anders als die meisten Potteries wirklich kreativ tätig ist und wunderschöne und interessante Objekte herstellt – Internet

und mietete mich dann gleich mittags ins Hotel ein, das an diesem Ostersonntag gerade mal noch ein Zimmer frei hatte. Das Zimmer war eine Premiere für mich, denn ein Hotelzimmer ohne Fenster habe ich bisher noch nie erlebt:

. Okay, ganz stimmt das nicht, es gab ein Oberlicht und ein Fenster, das allerdings nach draußen auf den Hotelgang führte (von dem wiederum Fenster „wirklich“ ins Freie führten).

 

Trotzdem war es sehr angenehm dort, super-bequeme Betten, ein Badezimmer mit Wanne zum Wohlfühlen und ein richtig gemütlicher Pub mit der Möglichkeit auch gut zu essen. Dazu ein jüngeres Wirte-Ehepaar, das den Laden engagiert führt. Die malerische Umgebung des Hotels lädt geradezu ein zu langen Spaziergängen, außerdem liegen mit Kelso, Selkirk, Jedburgh und Hawick interessante kleinere Städte in der Umgegend.

Am nächsten Tag ging es dann auch schon zurück Richtung Newcastle. Dieses Mal erwartete mich jedoch noch eine Überraschung vor der Fähre. Da ich sehr früh dort war, fuhr ich recht langsam Richtung Kai und entdeckte dabei, dass direkt daneben ein großes Outlet-Center liegt. Obwohl ich ja schon oft dort gewesen bin, war es mir bisher noch nie aufgefallen, man muss nur am vorletzten Kreisel einmal später abbiegen und schon ist man dort. Dort bieten Puma, Nike, Clarks, Mars&Spencer u.v.a. ihre Produkte an und es lässt sich manches Schnäppchen machen, wenn man nicht gleich in einen Kaufrausch verfällt. Auch diese Gelegenheit macht die Fahrt mit den DFDS-Fähren sicher nicht unattraktiver.