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Trekkingurlaub mit Islandpferden in den Schottischen Highlands

- Susanne Klebba -

Eine Anzeige in "Das Islandpferd", machte mich neugierig: "Highland Islandic Horse Trekking. Trekking-Urlaub auf Islandpferden im Hochland von Glens." Sollte das für einen Schottland-Fan und Isländer-Liebhaberin der Traumurlaub sein!?!

Der angeforderte Prospekt forderte von mir "physically fit" zu sein und ein Gewicht unter 80kg, beide Forderungen ließen auf das schließen, was mich dann auch tatsächlich erwartete: nicht nur die Pferde mußten etwas tun, auch ich war gefordert, und die durchschnittliche Länge der zügig gerittenen Tagesetappen in schwierigem bergigen und steinigen Gelände ließ Verständnis für die Gewichtsbeschränkung aufkommen.

Der Betrieb wird von einem jungen Paar, Frank und Kirsty, geführt; die Pferde sind relativ klein und gut im Futter, die Touren sind sorgfältig zusammengestellt, es wird schnell aber ruhig und mit angemessenen Pausen geritten und alles ist bestens organisiert: die Trekks werden von Packpferden begleitet, die Gepäck, Zelte und Lebensmittel tragen. Die Übernachtungsplätze sind so gewählt, daß regelmäßig die Möglichkeit zum Einkauf von Lebensmitteln besteht bzw. sie mit dem Auto zwecks Verpflegung oder bei Notfällen zu erreichen sind. Die Gruppen umfassen nicht mehr als 6 Personen, es werden aber auch Ritte mit Einzelpersonen durchgeführt; auf Sonderwünsche betreffend die Routen wird gerne eingegangen.

 

 

Als absolut überlebenswichtig stellte sich das Mitbringen eines Mittels gegen die allgegenwärtigen Midgets (Mücken) heraus, sie waren abends stellenweise so zahlreich, daß Nicht-PfeifenraucherInnen nur das Zelt sicheren Schutz vor ihnen bot.
Auf dem von mir gebuchten 6-Tages-Ritt führte mich mein junger Reitführer Donald durch einige der schönsten Glens der Highlands. Am ersten Tag ging es nach einem ruhigen Aufbruch vom Ausgangspunkt Garry Gualach durch den River Garry, wo die Pferde gleich eindrucksvoll ihre Trittsicherheit beweisen konnten, entlang des Loch Quoichs. Obwohl wir an diesem Tag fast ausnahmslos auf einer kleinen Straße ritten, ist die Strecke sehr schön, besonders der Abstieg zum Loch Hourn ist eindrucksvoll. Unterwegs sahen wir von ferne andere WanderreiterInnen auf Großpferden, die, wie mein Reitführer geringschätzig bemerkte, in Hotels übernachteten und nicht wie wir "richtigen" Pferdemenschen nahe der Natur in Zelten. Ich nahm mir vor, ihm gegenüber nicht zu erwähnen, daß ich noch nie in meinem Leben gezeltet hatte und den vor uns liegenden Zeltübernachtungen zwar tapfer, aber doch mit gemischten Gefühlen entgegensah.
Die erste Zeltübernachtung im kleinen aber sehr guten Zelt, das ich für mich alleine hatte, war überrraschend angenehm: den ganzen Tag über reiten ist nicht nur gut bei Appetitmangel, sondern auch bei Schlafproblemen!

Am nächsten Tag mußte dann erst einmal ich meine "physical fitness" unter Beweis stellen: das Terrain ist steil und die Pferde mußten geführt werden. Wieder war ich von der Schnelligkeit und Trittsicherheit der Pferde in diesem Gelände begeistert. Es geht dann erst einmal wieder genauso steil bergab, was ich viel schwieriger fand als das Bergansteigen, auch hier wurde mein Pferd leicht ungeduldig ob meiner Trittunsicherheit (in Gummistiefeln kein Wunder, feste Bergschuhe wären besser gewesen) und Langsamkeit. Dann konnte ich für mehrere Stunden erstmals die Einsamkeit des Hochlands entspannt genießen. Gegen Abend hatten die Pferde dann noch genug Kraftreserven um im schnellen Trab, Piggy Pace oder Galopp an den Brochs von Glenelg vorbei zum Glenelg Inn und unserem Übernachtungsplatz für die nächsten zwei Nächte zu eilen.

 

 

Der folgende Rest-Day bot Gelegenheit zum Besuch des Candle-Shops und dem Kauf von Andenken und Postkarten. Da das Wetter es zuließ, ritten wir nachmittags mit den Pferden "bareback" an den Strand, und ich konnte im weichen Sand den hervorragenden Tölt der von mir gerittenen Stute ausprobieren. Beide Abende verbrachten wir im Glenelg Inn bei Pints of Lager Tops und Guinness. 
Von Glenelg nach Morvich, eine auf der Karte kurz erscheinende Strecke, ritten wir am folgenden Tag. Aber diese Strecke hatte es in sich: steile Pfade an beeindruckenden Flußtälern und Wasserfällen entlang, die Schwindel aufkommen ließen. Auch hier mußte ich wieder stellenweise meine eigenen Kletterkünste unter Beweis stellen. In Morvich übernachteten wir auf einem Campingplatz und hatten die Möglichkeit zu duschen; sehr angenehm nach den Waschlappenwaschungen der letzten Tage! Wieder wurde ich selbstverständlich einbezogen in die Familie der echten Camper, als wir ankommende Campern beim Aufbau ihrer luxuriösen Zelte beobachteten: wir brauchten solchen Luxus nicht! (Meinen sehnsüchtigen Blick auf die weiche Luftmatratze, die aufgepumpt wurde, wußte ich gut zu verbergen... )
Der Abend im Pub mit Donald und Frank wurde lang und ich lernte die wichtigsten schottischen Vokabeln: Aye aye!

Bleibende Eindrück sollte der nächste Tag bringen: durch den Glen Lichd an Wasserfällen entlang, die allerdings aufgrund des trockenen Sommers etwas von ihrer Mächtigkeit verloren hatten, über die Hochebene, die zum River Affric führt. Dort wurde uns vorgeführt, daß auch die schottische Ruhe gewohnten Islandpferde mindestens so nervenstark sind wie die hiesigen lärmgewohnten: ein in etwa 100 m Höhe über uns hinweg schießender Militärjet erschreckte uns Menschen fürchterlich, die Pferde nahmen ihn kaum zur Kenntnis und stapften unbeeindruckt voran... Die unbarmherzig brennende Sonne ließ den Ritt über diese Ebene zu einer Anstrengung werden; erst die überwältigende Schönheit des Glen Affric, den wir am Abend erreichten, ließ meine Lebensgeister sich erholen. Wir waren aber noch nicht am Ziel: ein weiterer mehrstündiger Ritt quer durch die Heide und steile Anstiege standen uns bevor, bevor wir im Dunkeln Cougie, mitten im Wald gelegen, erreichten. Ich hatte den Eindruck, daß unsere Pferde munterer waren als wir Menschen....
Die letzte Etappe führte durch Wald und in Heideblüte stehendes Hochland durch den River Moriston. An einem leider unvermeidlichen Stück Straße konnten dann die Pferde ihre Verkehrssicherheit beweisen; den Autofahrern haben wir jedoch so manchen Fluch hintergerufen: auch im Land des Pferdesports nehmen recht wenige Rücksicht auf Pferde, wenn sie ihr eigenes Vorankommen behindern! Einen schönen Abschluß des Trekks bildete dann der Ritt entlang des Loch Loyne und durch Wälder hindurch zum River Garry. In einem abschließenden rasanten begeisternden Galopp über Stock und Stein zeigten dann auch die Pferde ihre Freude, wieder zu Hause zu sein.

 

 

Ein unglaublich schöner und anstrengender Trekk war zu Ende. Nicht nur die ausgewählte Strecke, auch die Pferde haben mich begeistert: die Islandpferde vom Garry Gualach sind sehr ausdauernde schnelle Langstreckenpferde und können klettern wie die Ziegen: sie gingen während des gesamten Ritts brav hintereinander, suchten sich aber jedes eigenständig seinen Weg, was mich manchmal etwas ins Schwitzen kommen ließ ob der gewählten Pfade. Großpferde hätten die von uns gewählte Strecke nie geschafft! Der von mir erlebte Ritt fand 1995 statt und begann und endete in Garry Gualach, einer urigen, malerisch gelegenen ehemaligen Herberge. Anfang des Jahres 1996 sind Frank und Kirsty umgezogen nach Ardechive, das etwas näher an der Bahnstation Spean Bridge, aber ganz in der Nähe ihrer alten Heimat liegt.

 

Highland Icelandic Horse Trekking Ltd.
Ardechive, Spean Bridge
Inverness-Shire
Scotland UK
PH34 4EL

 

Autorin: Susanne Klebba, EMail