Autor: Thomas Neuhauser, Whiskymuseum Österreich
Am nächsten Tag stand eine Lowlandtour an die Ostküste auf dem Programm. Unser erster Stop führte uns in eine der bekanntesten Lowlandbrennereien – Glenkinchie. Nach einem sehr herzlichen Empfang bestaunten wir als erstes das wirklich sehenswerte, über 10 Meter lange, noch immer funktionstüchtige Modell der Brennerei, das für die Weltausstellung im Jahr 1927 in London erstellt wurde. Die Brennerei hat zwar nur zwei Brennblasen, die aber zu den größten in Schottland gehören. Die Führung selbst war sehr persönlich und man ist hier sichtlich um den Besucher bemüht. Das sieht man alleine am Ende der Tour, wo man nicht nur einen Glenkinchie Single Malt zu Probieren bekommt sondern aus beinahe der ganzen Palette der Fauna & Flora Serie sowie den Rare Malts Whiskies verkosten kann. Einfach sensationell – habe ich in dieser Form noch in keiner Brennerei erlebt. Absolut begeistert war ich dann aber von unserem Guide. In einzelnen Nischen wurden Flaschen der Classic Malts aber auch Blends und vor allem Single Grains präsentiert. Als wir auf die Grains zu sprechen kamen, erzählte ich unserem Guide Walter von der Sammlung im Museum und dass mir der hier ausgestellte Old Cameron Brig 12yo bedauerlicherweise fehlte. Darauf hin tauschte Walter diese Flasche gegen einen neuen Cameron Brig aus und machte mir die Alte im Namen von Glenkinchie und UDV zum Geschenk für das Museum. Diese Freundlichkeit hat mich wirklich überwältigt, obwohl UDV / Diageo ja bekannter weise ein sehr großzügiger Unterstützer des Museum ist. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an Walter und das ganze Team!!!

Der nächste Weg führte uns zu Dirleton Castle und dem überaus windumgarnten Tantallon Castle von dem man einen tollen Blick hinüber zum Bass Rock hat – ein Felsen, der seine weiße Farbe vor allem dem übermäßigen Vogeldung zu verdanken hat. Die weitere Runde führte uns dann noch zu Crichton Castle, bei dem ich für Schottland einen absoluten Temperaturrekord von 25° Celsius verspüren durfte – mit anderen Worten ein Traumtag.
Der Abend war dann von einer weiteren Einladung in das Tasting Panel der Scociety geprägt – aber diesmal wurde wirklich Whisky verkostet. Unter Anleitung von Robin Laing, dem bekannten Sänger von Whiskysongs, verkosteten wir wieder acht Proben von Arran, Glenrothes, Highland Park und Scapa. Mein absoluter Favorit war dabei der 1998 Arran, der trotz seines jugendlichen Alters schon sehr vielversprechend war. Lustig fand ich beim Tasting vor allem die verwendeten Ausdrücke und Beschreibungen, die sich dann ja auch in unserer Bottling List immer wiederfinden.
Der nächste Tag war geprägt von Edinburgh Castle, das wirklich beeindruckend über der Stadt thront. Vor allem sind hier die Kirche, der Rittersaal und die Kronjuwelen sehenswert. Der Ein-Uhr-Kanonenschuss ist auch ein lustiges Schauspiel – jeden Tag um ein Uhr wird genau ein Kanonenschuss abgegeben. Damit stellte man in der Vergangenheit die Uhr bzw. konnte sich die Bevölkerung danach richten. Der Rest des Tages bestand aus Shopping auf der Royal Mile. Österreichs jüngster Pseudoschotte – Sohn Gerald Neuhauser – wollte unbedingt ein volles Kilt Outfit um bei unserem Whiskyevent im September entsprechend gekleidet sein zu können.

Nordwärts – das war die Devise des nächsten Reisetages. Ein kurzer Aufenthalt in South Queensferry eröffnete uns einen beeindruckenden Blick über die Forth Bridges. Da ragte einerseits die wirklich imposante Eisenbahnbrücke aus dem Nebel und knapp daneben die längste Hängebrücke Europas. In North Queensferry ging es dann ab in die Deep Sea World, wo wir umgeben von Haien, Rochen und anderen Fischen uns unter Wasser durch ein Becken durchkämpften. Der Eintritt ist zwar wirklich horrende, aber es lohnt sich trotzdem.
In Dunfermeline bestaunten wir neben der alten Abbey und dem alten Schloss vor allem die neue imposante Kirche, die direkt mit der alten Kathedrale verbunden wurde. Hier liegt Schottlands bekanntester König Robert the Bruce begraben – sein Herz ruht ja bekannterweise in Melrose Abbey. Das Grab ist wirklich würdig hergerichtet und unter der Kanzel direkt gelegen. Quer Feld ein ging es dann nach Auchtertool, wo früher bis in die 1930er eine Destillerie gelegen war, von der man heute aber nichts mehr findet.
Absolut verblüfft waren wir dann von St. Andrews. Der Golfplatz darf sich mit Fug und Recht ja als der weltweit bekannteste betrachten. Die Stadt selbst aber nimmt bereits riesige Ausmaße ein und die Ruinen der Abbey sind wirklich imposant. Erst vom St. Andrews Castle bekommt man einen Eindruck wie riesig diese Kathedrale früher gewesen sein muss. Von St. Andrews ging es dann über die Tay Bridge nach Dundee, wo man im Hafen die Discovery, ein früheres Forschungsschiff in der Antarktis, bestaunen kann. Dundee selbst hat dann eher den Charakter einer Industriestadt und daher währte unser Aufenthalt nur für eine Nacht.
Früh morgens ging es dann als erster Richtung Huntington Tower nahe Perth. Es handelt sich dabei um ein sehr gut erhaltenes Tower House aus dem 15. Jahrhundert, das einen fantastischen Blick auf die umliegende Gegend ermöglicht. Von hier waren es nur noch wenige Kilometer nach Crieff, wo uns nicht die Glenturret Distillery, immerhin eine der Ältesten des Landes, erwartete, sondern The Famous Grouse Experience. Ich habe grundsätzlich noch nie erlebt, dass bei einer Brennerei ein Blend im Vordergrund steht, obwohl man es im Angesicht der Mengenverhältnisse durchaus verstehen könnte. Das berühmte Moorhuhn grinst dann aber doch überall heraus und das wird einem dann beinahe etwas zu viel. Die knapp sechs Pfund Eintritt haben wir uns dann einfach gespart, gemäß dem alten Spruch: „Kennt man Eine, dann kennt man Alle“. Stimmt zwar nicht aber für sechs Pfund pro Nase lassen wir es einfach mal gelten, vor allem auch deshalb weil man auf dem Weg in den Shop sowieso alles inklusive der Brennblasen zu sehen bekommt.
Über die phänomenale Landschaft der Trossachs ging es dann zum Glencoe, wo man in einem netten Visitorcenter einerseits über die geologische Entstehungsgeschichte des Glen informiert wird und andererseits auch eines der düstersten Kapitel in der Clansgeschichte serviert bekommt – das Massaker von Glencoe – wo die Campbells die MacDonalds hingeschlachtet haben. Der Eintritt ist zwar mit knapp sechs Pfund etwas happig, im Gegensatz zum Moorhühnchen erhält man hier aber was Neues für sein Geld.
Entlang der wundervollen Küstenstraße ging es dann vorbei am Castle Stalker Richtung Oban, wo uns kurz vorher das Sea Live and Seals Rescue Center anlachte. Hier finden in Not geratene Seevögel, Otter und Seehunde solange eine Heimat, bis sie wieder kräftig genug für ein eigenständiges Leben in der Natur sind. Vor allem Kinder kommen hier voll auf ihre Kosten, da man nicht nur die Tiere zu sehen und erklärt bekommt, sondern auch bei den Fütterungen dabei sein darf.
Das letzte Kapitel des Tages bildete Dunstaffnage Castle bei Oban mit einem Tageshöchstwert von 25° Celsius. Seit sechs Wochen soll hier angeblich kein Tropfen Regen gefallen sein. Von hier ging es dann auf den Weg nach Tarbert auf dem Mull of Kintyre. Dieser Ort liegt nur wenige Minuten von Kennacraig entfernt, von wo uns am nächsten Morgen die Fähre nach Islay bringen sollte.

Hier mussten wir in Port Ellen gleich feststellen, dass der Abriss von Port Ellen Distillery traurigerweise bereits begonnen hat. Teilweise fehlen bereits die Dächer und Fensterscheiben und wie uns John Tompson im November bereits erklärte, wird der Rest auch nicht mehr lange stehen. Dieses traurige Bild hinter uns lassend bewegten wir uns dann aufgrund des schönen Wetters zuerst auf den Mull of Oa, wo wir zum American Monument hinaufwanderten. An diesen imposanten Küstenstrich wurden in den letzten Kriegstagen des Jahres 1918 etwa 650 amerikanische Seeleute und Soldaten angeschwemmt, nachdem ihr Schiff gesunken war. Der Farmer, der die teilweise extrem zerfetzten Körper am nächsten Tag fand, wird sich von diesem Bild des Grauens wohl nie erholt haben. Das Monument steht heute noch als Mahnmal – trotzdem scheinen gewisse Herrschaften noch immer nichts aus solchen Ereignissen gelernt haben. Aus diesem Grund wird es sicherlich bald wieder an irgendeinem Ort der Welt ein Mahnmal geben – ein stummer Zeuge, den man berührt betrachtet aber seine Botschaft nicht beachtet, geschweige denn versteht.
Nach diesem ausgiebigen Spaziergang entlang der beeindruckenden Steilküste des Mull of Oa suchten wir unser Quartier in Port Charlotte auf. Auf Empfehlung von Ella Edgar aus der Bruichladdich Distillery mieteten wir uns hier auf der Octomore Farm ein Cottage. Die Besitzer James und Sheila Brown sind Farmer mit Leib und Seele und aufs Besondere mit Bruichladdich verbunden. Von hier kommt nämlich teilweise das Wasser der Brennerei. James liebt Whisky über alles und daher hat er hier die Gebäude der alten Octomore Brennerei aus dem Jahre 1840 gekauft und seine Farm errichtet. Das alte Brennereigebäude ist heute ein wunderschönes Cottage, das man wirklich nur empfehlen kann. Als Begrüßungsgeschenk von Bruichladdich erwartete uns eine Flasche 10 Jahre alter Laddie, den wir in den nächsten Tagen ausgiebig genießen sollten. Unser Erkundungstour führte uns diesen Tag noch hinunter nach Port Charlotte, wo mich vor allem die alten Lagerhäuser der Lochindaal Brennerei faszinierten, die heute wieder von Bruichladdich als Lagerhäuser genutzt werden. Aufgrund der großen Trockenheit entzündete sich dann am späten Nachmittag in der Nähe von Bowmore das trockene Gras. Einheimische erzählten uns dabei, dass nahe dem Flughafen einige Tage sogar das Torfmoor gebrannt haben soll, ohne dass Löschversuche sehr erfolgreich waren. Eine riesige, verbrannte Fläche bestätigte uns in den nächsten Tagen diese Aussage.
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