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Die Orkneys

von Stefan Bürgel

Um auf die Orkney Islands im hohen Norden Schottlands zu gelangen, muß man zwar nicht hochseetauglich sein, aber es erleichtert die Überfahrt von Scrabster über den rauhen Pentland Firth doch ungemein. Wer aber einmal aus dem Bauch der Fähre in die kleinen Gassen des Hafenortes Stromness gespuckt worden ist, auf den warten viele Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten.

Um gleich mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufzuräumen: Die Orkney Islands sind nicht die Steigerung karger Highland-Landschaften mit riesigen Moorgebieten. Die Inseln sind überdeckt mit dem sattem Grün der Weideflächen, auf denen sich die Kühe allenfalls vom starken Wind stören lassen - das Ergebnis ist ein außergewöhnlich milder und leckerer Cheddar-Käse. Außerdem wachsen auf den Orkneys sogar einige Palmen.

Taucher tummeln sich vor der kleinen Insel Scapa Flow unter Wasser zwischen Wracks der 74 Schiffe der kaiserlichen deutschen Flotte, die sich hier 1919 selbst versenkt hat, um nicht in die Hände der Allierten zu fallen.

Trockenen Fusses bieten die Orkney Islands einen besonders reichen Schatz an prähistorischen Ausgrabungen. Schon von weitem ist auf der flachen Insel Hügelgrab Maes Howe zu sehen, in dem vor Jahrhunderten Wikinger wilde Gelage gefeiert und dabei einige Runen-Graffitis wie ,,Ingeborg ist die schönste'' hinterlassen haben.

Nicht minder sehenswert ist das komplett erhaltene Steinzeit-Dorf Skara Brae an der Ostküste von Mainland. Gut erhalten sind auch die alten Wehr- und Wohntürme, Brochs genannt. Und die Steinkreise von Stennes und der Ring of Brodgar müssen den Vergleich mit Stonehenge nicht fürchten.

Zum Jahreswechsel haben die Einwohner der Orkney Islands ihren eigenen Brauch: Die männlichen Einwohner - und das sind mehrere Hundert - treiben einen rugby-ähnlichen Ball die Hauptstraße zwischen Hafen und Kirche umher. Wo er zuerst ankommt, der hat gewonnen. Obwohl sich Dutzende kraftstrotzender Schotten auf den Ball stürzen, hat es noch nie einen schwerer Verletzten gegeben. Aber diese Geschichten können die Einheimischen viel besser erzählen, bei einem Pint in einer der vielen urigen Kneipen. Dabei läßt sich dann auch ein Highland-Park geniessen: Die Whiskey-Destillerie auf den Orkneys ist die nördlichste der Welt.

 

Stefan Bürgel, 25, lebt als freier Journalist in Hannover.