Wie wird Whisky richtig getrunken
Indem man ein Glas nimmt, den Whisky einfüllt, seine Augen zur Spiegelung der Farbe des Whiskys im Gehirn nutzt, seine Nase den Duft aufnehmen lässt und aus beiden Wahrnehmungen seinen Mund vorbereitet auf das, was dann kommt, was ihn völlig ausfüllt, manchmal betäubt, manchmal prickeln lässt, manchmal erregt, manchmal brennen lässt aber immer intensiv fühlen lässt.
Gefühle sind es, die den Whisky zur Nummer 1 unter den Spirituosen gemacht haben. Wer sich auf Whisky einlässt, kann dort den Geschmack von Nüssen erleben, wie er oder sie es zuletzt tat, als Mutter einen Kuchen backte und man selbst kaum über die Tischkante schauen konnte, oder den Duft einer ganz bestimmten Sommerblume, die man mit einer ersten Liebe verbindet, mit der man verschwitzt im Gras lag.
Um so weit zu kommen, bedarf es einer gewissen Erfahrung, einer Konzentration auf das „Ding an sich“ und natürlich eines Whiskys, der das geschmacklich hergibt.
Den optischen Eindruck vernachlässigen wir erst einmal.
Ohne die Erfahrung kommt man in Sachen Duft jedoch nicht weit. Die olfaktorische Infrastruktur des Menschen ist unterentwickelt und scheint sich immer weiter zurückzubilden. Gab es mal 1000 intakte Gene im Erbgut, die mit dem Riechen zu tun hatten, und sind davon heute 60% defekt, so ist selbst die mythenumwobene Fähigkeit Pheromone wahrnehmen zu können heute nur noch Makulatur. Aber gerade deshalb muss man den verbliebenen Rest gut trainieren und dazu eigenen sich entweder natürliche Düfte oder einfach ein Köfferchen, wie es Weinexperten benutzen, das eine Reihe von Aromen zur Verfügung stellt. Die kleinen Fläschchen tragen Aufschriften wie „Verkochter Blumenkohl“ und riechen in der Tat genauso. Damit kann man seine Nase „einnorden“, man hat also olfaktorische Wegweiser oder Orientierungspunkte, an denen man die gut 10000 wahrnehmbaren Düfte identifizieren und, was in diesem Zusammenhang noch wichtiger ist, beschreiben kann. Wenn man mit diesen Standards „arbeiten“ kann, ist es auch nur eine Frage der Zeit, dass man Dinge wie Mutters Nusskuchen in der Vielfalt der Whiskydüfte wieder findet. Wie gesagt, eine Sache der Zeit, wie viele Dinge beim Whisky.
Zeit ist es auch, die man braucht, wenn man das Glas in der Hand hält. Man kann sich an der Intensität der Farbe erfreuen und sich über die vornehme Blässe wundern, man kann den Whisky durch Handschmeicheleien leicht erwärmen oder, wenn man ihn in warmen Gegenden in einem gefrosteten Glas trinkt (wie „Baffo“, der große italienische Sammler), dieses Glas langsam abtauen lassen, man kann ihn im Glas rollen lassen und bis an den Glasrand schwingen lassen und anschließend die Flüssigkeitsstreifen bewundern, die vom Glasrand herabrinnen – kurz gesagt, man nimmt das Zwiegespräch mit dem Glasinhalt auf und vergisst die böse Welt Drumherum.
All das kann man mit einem 50jährigen Single Malt genauso wie mit einem Jim Beam Cola machen. Wichtig ist letztlich nicht der Inhalt des Glases, sondern was im Kopf des genießenden Menschen vor sich geht und jeder Einzelne entscheidet selbst, wie man richtig Whisky trinkt.
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