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Online-Chat-Tasting II (Flo)

 

Nachdem das erste Online-Chat-Tasting so gut angekommen war, fand am 14.3.2003 gleich das nächste statt. Florian Borchers hatte erneut die Organisation übernommen, 6 Whiskys besorgt, auf jeweils 14 Probeflaschen verteilt und an die Teilnehmer verschickt. Dabei entwickelte er sich zum Verpackungskünstler, denn es gelang ihm, die Proben günstig in einer kleinen Faltschachtel, deklariert als Maxibrief, zu versenden. Am Freitag Abend  fanden sich dann alle startbereit mit den Proben und Gläsern vor sich um 20 Uhr im Chat von Whisky.de ein.

 

 

 

Heinz schlug vor, mit dem Laddie zu beginnen, und so ging, ganz entgegen den üblichen Gepflogenheiten, zuerst ein Islay-Whisky an den Start. Getestet wurde der 17yo. Bruichladdich, Originalabfüllung, nicht gefärbt oder kühlgefiltert und mit 46% abgefüllt. Im Geruch ungewöhnlich mild, wenig Islay-Charakter, sondern malzig, etwas fruchtig, salzig, dabei leider auch recht spritig. Im Geschmack dann ebenfalls etwas spritig und trocken, einige Tropfen Wasser öffneten mehr in eine süße und fruchtige Richtung. Der Abgang war recht kurz, einige bemerkten dabei auch leicht bittere Noten. Nach einiger Zeit im Glas war die alkoholische Note geringer, der Whisky wurde dann fruchtiger. Insgesamt in den Augen der meisten Teilnehmer ein durchaus angenehmer Whisky. Allerdings fanden die, die den Vergleich hatten, dass er deutlich schwächer als der 20-jährige Laddie wäre, den er nun ersetzt. Der Kaufpreis liegt bei ca. 75 €, was den meisten zu teuer erschien.

 

Der nächste in der Reihe war dann ein Lowlander, ein fassstarker Rosebank, 10 Jahre alt, 1989 destilliert und von Blackadder abgefüllt, natürlich wie bei BA üblich ohne Farbstoff oder Kühlfilterung. Der Alkoholgehalt lag hier bei 59,0%. In der Nase wurden fruchtige und grasige Töne wahrgenommen, für den hohen Alkoholgehalt roch er dabei erstaunlich mild. Im Geschmack dann ebenfalls mild, etwas fruchtig, auch Ledernoten und etwas Jod wurden von einigen Teilnehmern wahrgenommen. Ohne Wasser schmeckte er recht alkoholisch, mit Wasser wurde der recht zarte Geschmack dann allerdings flacher. Oli, der die Abfüllung schon kannte, empfahl, ihn ohne Wasser zu trinken. Mir war er dann jedoch zu scharf. Obwohl es wohl nicht der beste erhältliche Rosebank ist, ist er preislich für ca. 43 € in Fassstärke durchaus günstig.

 

 

Plötzlich erschien im Chat dann auch noch die Torfratte, die doch verkündet hatte, einen Monat lang keinen Alkohol zu trinken! Erklärung: „Ich rieche nur!“ DAS allerdings kann diese Ratte, sie hat wie alle Tiere dieser Spezies eine sehr feine Nase, die hier allerdings auf Malt-Whisky spezialisiert ist! Und so profitierten wir anderen Teilnehmer denn auch sehr von den Geruchseindrücken der TR.

 

 

Als nächstes kam der Glenglassaugh in die Gläser, „The Family Silver“, destilliert 1973, abgefüllt wohl 1998, also ca. 25 Jahre alt. Im Geruch sehr angenehm, fruchtig, Honig und Karamelltöne, etwas süß und likörhaft. Im Geschmack wirkte er zunächst recht wässrig, was allerdings wahrscheinlich daran lag, dass der Glenglassaugh mit seinen 40% nicht mit dem fassstarken Rosebank mithalten konnte. Aber mit jedem Schluck wurde er geschmacklich besser, es fanden sich  dann Karamell und Vanille-Töne, zudem Gewürze. Insgesamt ein sehr angenehmer, eher süßer Malt! Im Abgang vielleicht etwas kurz. Ursprünglich ein sehr teurer Whisky, findet zur Zeit eine Art Ausverkauf dieser Abfüllung der stillgelegten Brennerei statt. Die Händlerpreise schwanken sehr stark, zwischen 50 € und 150 € ist alles vertreten! Also: Augen auf beim Glasaugenkauf!

 

Nach einer kurzen Pause ging´s dann mit dem Dailuaine aus der Flora und Fauna-Serie weiter, 16 Jahre alt und mit 43% Alkoholgehalt. Im Geruch dominierte der Sherry, gepaart mit Fruchtnoten (Banane, Kokos, auch Zitrusfrüchte), aber auch leichte Holznoten (Zeder) waren zu finden. Im Geschmack dominierten dann Toffee-Noten (Werthers Echte), sowie weiterhin Sherry und Früchte. Vom Mundgefühl her sehr cremig und weich! Ein schöner, weicher, runder Malt. Er ist für ca. 53 € zu haben, hat also auch ein gutes Preis/Leistungsverhältnis.

Die Tastinggemeinschaft war insgesamt sehr angetan von diesem Speysider, und da war es dann um unsere Torfratte geschehen! Den Turfy  hatte der Geruch bis dahin nicht überzeugt, aber nachdem mehrere Teilnehmer bestätigten, dass der Geschmack den Geruch übertrifft, holte er die Gläser aus dem Schrank und zum Teufel mit der Abstinenz! Und wie wir ihn ja schon kennen, holte er dann auch in Windeseile das gesamte Tasting nach. Ja, so sind sie, diese Torfratten!

 

Als nächstes kam ein weiterer Sherry-Whisky aus der Region Speyside dran, ein Mortlach in einer Abfüllung von Krügers Whiskygalerie aus Rendsburg. „Krügers Schloß Whisky”, Mortlach 12yo (1990-2002), fassstark mit 58,3% abgefüllt, auch ohne Färbung oder Kühlfilterung. Schon im Geruch war er sehr mächtig, viel Sherry, auch Rosinen, allerdings wurde er teilweise auch als „muffig“ wahrgenommen. Im Geschmack dann ebenfalls viel Sherry, aber auch etwas holzig, zum Teil war die Beschreibung auch „modrig“. Der Abgang war sehr lang. An diesem Malt schieden sich die Geister. Die einen waren begeistert und setzten ihn auf Platz 1, die anderen konnten nichts damit anfangen und empfanden ihn als unangenehm muffig. Wer aber auf „voll fette eindimensionale Sherrybomben“ (O-Ton TR) steht, liegt hier richtig und bekommt diesen Mortlach für 45 € direkt bei Krügers Whiskygalerie in Rendsburg.

 

Und so, wie das Tasting begonnen hatte, endete es schließlich auch: mit einem Islay, diesmal allerdings richtig torfig mit Laphroaig! In einer Abfüllung von Murray McDavid, 1988-2001, 46% Vol. Alkohol. Ein typischer Laphroaig, torfig, rauchig, phenolisch, im Geschmack trocken, dennoch weich, mit langem, rauchigem Abgang. Nur die Torfratte weinte noch den alten Zeiten hinterher, in denen die Laphroaigs ja viel besser waren...! Alle anderen waren mit diesem Abschluss des Tastings  sehr zufrieden. Erhältlich ist diese Abfüllung für etwa 65 €.

 

 

 

Ein Ranking gestaltete sich diesmal sehr schwierig. Klare Sieger und Verlierer wie beim ersten Tasting gab es diesmal nicht. Außer dem Laddie und  dem Rosebank, die meist im hinteren Mittelfeld platziert worden sind, wurden alle Whiskys mindestens einmal auf Platz eins genannt. Am stärksten polarisierte wohl der Mortlach, der entweder ganz vorne oder ganz hinten im persönlichen Ranking zu finden war. Jedenfalls waren es sechs wirklich gute Malts, die der Flo diesmal herausgesucht hatte und alle waren es wert, sie kennen gelernt zu haben. Und das schönste ist: Von jeder Probe ist noch was zum Nachtasting übrig geblieben! Das Tasting war jedenfalls wieder ein voller Erfolg und es wäre schön, wenn weitere in der Art folgen würden!

Teresia Kuhr