Teresia (Terry) Kuhr:
Online-Tasting am 24.1.2003 bei WHISKY.DE
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Online-Chat-Tasting? Klingt interessant. Doch wie geht das, schließlich ist noch kein Geruchs- und Geschmacksinternet erfunden worden. Daher bedurfte es einiger Vorbereitungen, die dankenswerterweise Florian (Flo) Borchers übernahm. Er kümmerte sich also um die Anmeldungen, suchte die Whiskys aus, kaufte die Flaschen ein, füllte den Inhalt in kleine 5 cl Laborfläschchen um und versandte diese schließlich an alle Teilnehmer. So kamen alle Pakete rechtzeitig einige Tage vor dem Tasting-Termin bei uns an.
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Am 24.1. erschienen dann 11 Teilnehmer pünktlich im verabschiedeten Chat, Torfratte hatte sich für später angekündigt und zwei vielen leider kurzfristig aus.
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Die Versuchsanordnung sah bei mir so aus, dass zwischen Bildschirm und Tastatur die 7 Fläschchen und sechs Gläser aufgebaut waren, außerdem ein kleiner Krug mit Wasser zum eventuellen Verdünnen sowie Knabberbrot und ausreichend Mineralwasser zum Neutralisieren zwischendurch. Dass die Gläser die Aufschrift „Classic Malts“ trugen, hat die Whiskys zum Glück anscheinend nicht gestört.
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Den Anfang machte der Glenfiddich Havana Reserve, 21yo, ein in kubanischen Rumfässern gefinishter Whisky. Er roch sehr vielversprechend nach Rum, schmeckte etwas unangenehm alkoholisch, wobei wieder deutlich der Rumgeschmack durchkam. Der Abgang war dann recht kurz, da hätte man mehr erwartet. Insgesamt schien der Whisky für das Alter etwas dünn. Dennoch: ein vielversprechender Auftakt! Allerdings ist der Whisky mit ca. 90€ recht teuer.
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Als nächstes kam dann ein 12-jähriger Glenrothes Sherry Wood (1990- 2002, unchillfiltered collection) von Signatory. Er roch sehr eigentümlich nach Karamell und Lakritze, zwei Aromen, die hier nicht so recht zusammenpassen wollten. Im Geschmack war es dann ebenso. So recht gefiel er keinem von uns, dabei war dieser Speysider von Loch Fyne Whiskies hoch gelobt und sogar mit dem 18yo Macallan verglichen worden! Mit ca. 37 € liegt er preislich zwar recht günstig, doch kaufen wollte ihn auch dafür keiner. Die gleichaltrige Originalabfüllung war mehreren Teilnehmern deutlich besser in Erinnerung.
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Der Benromach Centenary 17yo. OA wanderte als nächstes in die Gläser. Hier war der Geruchseindruck wahlweise „Apothekengeruch“, oder es wurden mehr Frucht-und Beerennoten im Aroma wahrgenommen. Im Geschmack dominierten dann die Fruchtnoten, auch etwas Holz, insgesamt nach einhelliger Meinung ein schöner, runder Highland-Whisky, allerdings kaum noch erhältlich, und wenn, dann für gut 100 € . Dafür mit besonders schönem Etikett!
Danach hätte es jeder Whisky schwer gehabt. Besonders schwer hatte es nun allerdings der 12-jährige Pittyvaich aus der Flora-und Fauna-Serie. Der erste Eindruck war „muffig“. Oli brachte es auf den Punkt: „Pittyvaich bedeutet Platz des Kuhstalls – riecht auch so!“
Im Geschmack wurde er von den meisten als etwas besser empfunden, es kam der Gedanke an überreife Äpfel, Kaugummi und Parfüm. So recht überzeugte aber der Pittyvaich niemanden, obwohl er etwas besser wurde, wenn er länger an der Luft stehen konnte. Preislich liegt dieser Whisky um 53 €, allerdings war keiner der Teilnehmer bereit, diese dafür auszugeben.
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Nach einer kurzen Pause zum Luft holen, Essen, Gläser waschen, zur Toilette gehen oder was man sonst noch in 10 min. schafft, ging´s dem nächsten Fläschchen an den Kragen. Es wurde der Mortlach, 16yo., Flora und Fauna, geköpft und in die Gläser überführt. Das Aroma gefiel sofort, Sherry, auch Fruchtanklänge (nach Kirsche) ließen sich finden. Im Geschmack dann angenehm weich und rund. Insgesamt sehr lecker, wenn auch diejenigen, die ihn schon kannten, maulten, dass er sonst deutlich besser gewesen wäre. Mir gefiel allerdings auch dieser schon gut! Der Preis liegt ebenfalls bei etwa 53 €, hier ein gutes Preis/Leistungsverhältnis.
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Dann wurde es torfig - und pünktlich erschien Torfratte im Chat! Rattenflink probierte er jedoch erst alle anderen Schnäpse, ehe er sich dann auch über die torfigen hermachte.
Der erste Islay auf dem Plan war dann der Caol Ila, 18yo., OA „Hidden Malt“. Er roch erwartungsgemäß rauchig, hatte außerdem noch schöne Fruchtnoten, insgesamt sehr harmonisch. Ebenso im Geschmack, rund und komplex, langer schöner Abgang mit etwas Rauch. Allenthalben große Zustimmung der Tastinggemeinschaft zu diesem Malt. Preislich liegt er bei ca. 65 €, ebenfalls ein gutes Preis/Leistungsverhältnis für diesen leckeren Whisky.
Den Abschluss bildete dann der fassstarke 12yo. Lagavulin, OA. In der Erwartung, dass nun ein absoluter Geschmacksnervenkiller käme, rochen alle vorsichtig ins Glas. Naja, fast alle, Torfratte kippte sich den Stoff natürlich sofort hinter die Binde... Aber schon im Aroma enttäuschte er eher nach dem Caol Ila, der deutlich rauchiger war. Der Geschmack war zunächst süßlich, dann kam aber auch der Torf zutage und die 58 Umdrehungen machten sich bemerkbar. Für Fans der fassstarken Islays ist er wohl ein Muss, Highland-Fans begeisterten sich dafür weniger. Preislich liegt dieser Malt bei ca. 75 €.
Insgesamt stellte sich der Caol Ila deutlich als Tasting-Sieger heraus, selbst bei vielen Highland-Fans. Bei den Islay- Fans rangierte auf Platz zwei zumeist der Lagavulin, insgesamt lag aber der Benromach auf dem zweiten Platz, bei einigen auch ganz vorne. In der weiteren Reihenfolge dann der Mortlach, die Schlusslichter bildeten mit Abstand der Glenfiddich, der Glenrothes und der Pittyvaich. Das Tasting hat jedenfalls einen riesigen Spaß gemacht und es waren sich alle einig: Das muss wiederholt werden! Nochmals herzlichen Dank an Flo und Whisky.de, die das Ganze überhaupt erst möglich gemacht haben!
Teresia (Terry) Kuhr
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