Das Alter des Torfs: Ein außergewöhnliches Tasting
Er liebt Whisky. Und er liebt die Japaner. Diese ungewöhnliche Kombination zeigte Jim McEwan, seines Zeichens Master Distiller der Bruichladdich Distillery auf Islay, bei seinem Tasting bei Scoma in Jever im Januar 2002.
38 Jahre Erfahrung in der Whisky Branche mit Morrison Bowmore haben ihre Spuren und Geschichten hinterlassen. Jim McEwan erzählt von seinen Begegnungen mit den Menschen auf Islay mit der gleichen Begeisterung mit der er von den Besuchen der unzähligen Gäste in den Destillerien erzählt. Und er kennt sie alle, den wissbegierigen Deutschen, den eifrig schreibenden Japaner und den Connaisseur, der die Welt der Whiskies auf Islay zu schätzen weiß. McEwan fesselt sein Publikum. Er repräsentiert nicht nur die Bruichladdich Distillery, sondern auch die Murray McDavid Gruppe. Und so stellt er an diesem Abend, im „Haus der Getreuen“ in Jever, den anwesenden 90 Teilnehmern zuerst drei Whiskys aus diesem Haus vor: Einen Linkwood aus 1989 und einen Macallan aus 1990 sowie einen Bunnahabhain aus 1979. Begleitet wird Jim McEwan an diesem Abend von Jürgen Deibel, seines Zeichens Whisk(e)y Consultant und Redakteur bei www.whisky.de. Er stellt kurz die Herstellung des Whisky vor und gibt ein paar Details zu den vorgestellten Destillerien als Information weiter.
McEwan erzählt dann Geschichten, wie etwa die des Besuches einer Delegation aus Japan auf der Suche nach dem Geheimnis des Whiskys. Er beschreibt in eindrucksvollen Bildern wie er die Gruppe in das Geheimnis der Whiskyherstellung einführt. Er zeigt Ihnen alles was man zur Herstellung von gutem Whisky benötigt: die Gerste, das Wasser, die Hefe, die Brennblasen, die Fässer. Eben alles. So auch den Torf. Auf die Frage nach dem Alter des Torfes, wird dieses mit ca. 7000 Jahren von ihm angegeben. Die Japaner sind bestürzt! McEwan hat ihnen alles mit einer Präzision angegeben, nur hier, beim Torf gibt er ihnen nur eine ungefähre Zahl? Hier muss das Geheimnis liegen! Also fragen sie nach. Er solle, so die Bitte der Übersetzerin aus dem Kreis der Japaner, doch bitte etwas genauer sein. Nun, er ist überrascht, aber er wäre kein Profi, wenn er das nicht könnte. Er nimmt den Torf in die Hand, prüft ihn von allen Seiten, bricht ihn auseinander, riecht daran, zerreibt ihn in den Händen und nimmt zum Abschluss ein Stück in den Mund und kaut es. Die Japaner schauen fragend. Nach kurzer Zeit angestrengten Kauens, dreht er sich vielsagend zur Gruppe um und sagt mit bestimmter Stimme: Dieser Torf ist 6894 Jahre alt! Ungläubiges Staunen, das sich in Applaus verwandelt. Er ist wirklich der Meister des Whisky!
Auch die Suche nach einer Karaoke Bar für eine Gruppe von Firmenmitarbeitern aus Japan an einem trüben und verregneten Januar Tag auf Islay kann mit McEwan zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Zumindest für die Japaner!
Und er beschreibt die Vielfalt des Whiskys aus seiner Sichtweise. Es ist die des Profis, des Connaisseurs, des Liebhabers. Seine Liebe zu Islay und dem Whisky ist unverkennbar. So erhält jeder Teilnehmer auch einen Einblick in die Herangehensweise eines Whisky-Profis bei der Beurteilung der Whisky. Sei es der geschulte Blick auf die „legs“, die Beurteilung der Farbe oder die Beschreibung der Aromenvielfalt mit Nase, Zunge und Gaumen. McEwan erklärt und die Anwesenden lauschen aufmerksam.
Nach eine kurzen Pause mit Snacks dann endlich die Bruichladdich Destillerie. Nun ist McEwan vollständig in seinem Element. Er erzählt von seinen Gefühlen bei der Übernahme der neuen Brennerei, von seinen Gesprächen mit den Mitarbeitern und deren Hingabe an das Produkt. Er erzählt von dem Moment, da das „Herz des Destillates“ zu ersten Mal im Glase ist. Sicherlich einer der bewegensten Momente im Leben eines Destillerie Managers. Man kann heute noch die Freude in seinen Augen leuchten sehen. Natürlich kommt auch hier der Whisky nicht zu kurz: 10, 15 und 20 Jahre alter Bruichladdich kommt zur Verkostung und McEwan vermittelt dem aufmerksamen Publikum seine persönlichen Tasting Notes zu diesen Whiskys.
Den flüssigen Abschluss des Abends bilden noch zwei Whisky, die ebenfalls von der Insel Islay stammen: Ardbeg von 1991 und Leapfrog (Laphroaig) von 1987. Beides natürlich Abfüllungen aus dem Hause Murray McDavid.
Und dann ist McEwan noch einmal voll in seinem Element: Ein gälischer Toast beschließt den Abend. Ein Bein auf dem Tisch, das andere auf dem Stuhl führt er die Anwesenden in diesen traditionellen Toast ein. Die Freude in den Gesichtern zeigt – ein vollkommen gelungener Abend der hoffentlich bald eine Fortsetzung erfährt.
Schon im Mai wird Jim McEwan in Hannover im Rahmen der Whisk(e)y-Villa Workshops erneut seine Zuhörer fesseln. Im Rahmen des Workshops „Vom Nutzen und Nachteil des Whiskys für das Leben: Genuss, Sucht oder was macht das wahre Leben aus?“ wird er aus seinem unerschöpflichen Fundus an Geschichten rund um das Wasser des Lebens erzählen und auch die Verkostung ausgewählter Whiskys kommt sicher nicht zu kurz.