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Das erste eigene Tasting!

Was brauche ich dafür?

1.       Gute Freunde oder zumindest Menschen, die sich auf die Sache konzentrieren können ohne dröge zu sein

2.       Einen angenehmen Raum

3.       Bequeme Sitzmöbel

4.       Passende Gläser

5.       Wasser und Brot

6.       … irgendetwas war da doch noch… ;-)

7.       Ach ja, Whisky und zwar mehrere verschiedene.

Es ist wirklich wichtig mit wem man zusammensitzt. Die Konzentration sollte gleichmäßig auf den Whisky und die Menschen verteilbar sein. Weder sollten die Leute so anstrengend sein, dass man dauernd auf sie achten muss, noch so langweilig, dass man genauso gut alleine da sitzen könnte. Das Gespräch fließt optimalerweise zwischen den Themen Whisky und „Rest der Welt“ hin und her. Zwischen 3 und 6 Leuten ist eine gute Zahl.

Der Raum sollte gute Luft beinhalten, also keine starken Gerüche wie neue Ledermöbel oder altes Obst auf die Teilnehmer einströmen lassen und auf keinen Fall ein Raumduftspray verwenden! Die Leute sollten sich ohne große Anstrengungen im Blick behalten können, die Gläser sollten ohne Balanceakt abstellbar sein und die Flaschen möglichst für alle mehr oder weniger in Griffweite sich befinden.

Auch wenn römische Liegen gerade mal wieder voll „in“ sein sollten, ein schlichter Stuhl tut es besser. Es muss gar kein Club-Ledersessel sein, die eh meistens eindrucksvoller aussehen, als es der Sitzkomfort anschließend wiedergibt. Entweder man sitzt am Tisch, dann brauch man nicht einmal Lehnen oder in offener Runde, dann sind Lehnen schon recht angenehm.

Nach dem Vorgeplänkel geht es nun zu den Sachen an sich, da wären zuerst die Gläser. Grundsätzlich lassen sich zwei große Gruppen unterscheiden. Zum einen die Tumbler, also geradewandige Gläser oder bauchige Gläser wie Nosing- oder Wein-Gläser. Erstere sind in der Regel stabiler und eignen sich schon deshalb gut, Whisky mit Eis aus ihnen zu trinken. Letztere sind meistens aus deutlich dünnerem Glas und bieten eine in der Relation größere Flüssigkeitsoberfläche, die durch das Schwenken des Glases noch deutlich vergrößert werden kann. Diese größere Oberfläche führt dazu, dass beim „Nosen“, also beim Riechen wesentlich intensiver Kontakt mit dem Whisky aufgenommen wird. Manche Experten lehnen deswegen auch kategorisch das Schwenken ab, „Don’t swirl!“ ruft Gerry Tosh von Highland Park den Teilnehmern seiner Tastings zu.

Grundsätzlich gilt, dass man selbst ausprobieren sollte, welches Glas einem zu einem bestimmten Whisky am meisten zusagt. Es sollte nicht die Nase überfrachten mit Aromen, aber auch nicht zuviele interessante und vielleicht nur sehr zart vorhandene Noten entweichen lassen.
Für jeden der zu verkostenden Whiskys sollte jedem Teilnehmer ein eigenes Glas zur Verfügung stehen.
Wir sind zwar nicht im Gefängnis, aber Wasser und Brot sollte in ausreichenden Mengen vorhanden sein. Ersteres sollte still sein, dabei kann es sich durchaus um Leitungswasser handeln, wenn es geruchlich und geschmacklich neutral wirkt. Letzteres sollte ebenso mehr oder weniger geschmacksfrei sein.

Bei der Auswahl der Whiskys sollte der Reifegrad der Teilnehmer eine Rolle spielen. Einsteiger, die noch nicht in der Lage sind, feinere Nuancen verschiedener Whiskys wahrzunehmen, sollten besser sich deutlich unterscheidende Whiskys nehmen. Eine solche Reihenfolge wäre da z.B. anzuraten:

1.       The Famous Grouse – um mit einen leichten Blended Scotch anzufangen

2.       Tyrconnell 15 Jahre – so sind sie die Iren, lecker fruchtig

3.       Glenmorangie The Original – ein kräftiger Highland Malt

4.       The Macallan 12 Jahre Fine Oak – hier kommt das Sherryfass dazu

5.       Highland Park 18 Jahre – Komplex, sherrygelagert und leicht rauchig

6.       Ardbeg Ten – Ein Sturz kopfüber in die salzigen Sturmfluten rund im Islay

Allerdings kann man auch mal, vielleicht beim zweiten oder dritten Tasting, die verschiedenen Abfüllungen einer einzigen Brennerei probieren. Was die Menge angeht:  Sechs Whiskys sind dann auch schon vollkommen ausreichend. Zum einen wirkt der Alkohol und zum anderen ist die Zunge erschöpft, was die Wahrnehmung von Unterschieden angeht.

Um die ganze Sache übersichtlich zu gestalten, kann man sogenannte Tastings-Mats ‚(also Unterlagen) benutzen. Da sind die Glaspositionen nummeriert drauf verzeichnet, so wissen immer alle schnell, wenn man z.B. vom dritten probierten Whisky spricht. Wir haben dazu ein Exemplar erstellt, dass man sich einfach ausdrucken kann:

HIER KLICKEN.

Wichtig ist es, nicht jeden Whisky nach dem Eingießen wie ein Cowboy hinunter zu stürzen, sondern erst die Nase an das Glas zu halten um alles aufzunehmen, was dieser Whisky ihr zu bieten hat. Wie lange oder wie weit in das Glas die Nase zu halten ist? Auch das sollte ausprobiert werden. Dann den Whisky vorsichtig im Mund bewegen, kauen… und erst nach einer Weile schlucken. Dann ruhig mit geschlossenen Augen abwarten, was genau passiert. Wie der Rachen reagiert und was beim Ausatmen in der Nase sich abspielt.
Wer die Gläser nicht leer trinkt, hat den Vorteil am Ende alle Whiskys noch einmal im direkten Vergleich erst riechen und dann trinken zu können. Die Unterschiede, also die Vielfalt eines jeden Whiskys aber auch der verschiedenen Whiskys untereinander, genau das macht ein Tasting zu einem spannenden Erlebnis.